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Finca San Antonio | El Salvador 2026

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"Coffee only makes sense because of direct relationship to you guys“, erzählt mir José. Es könnten genauso gut meine eigenen Worte sein.

Das Schöne am Direkthandel ist, wenn aus langfristigen Partnerschaften echte Freundschaften entstehen – getragen von gegenseitigen Besuchen, gemeinsamen Werten und der geteilten Liebe zum Kaffee.

Eine Woche lang durfte ich bei José direkt auf der Farm San Antonio wohnen, mit anpacken und die Qualitätsprozesse hautnah miterleben: vom Pflücken der Kaffeekirschen über Processing und Trocknung bis hin zur Lagerung in der „Bodega“ und der Weiterverarbeitung in der Dry Mill.

Daniel beim Pflücken

Das Leben auf San Antonio hat einen ganz besonderen Charme. Mitten auf der abgelegenen Farm steht ein altes, einfaches, ruhiges Häuschen – umgeben von Natur. Hier hat man das Gefühl, eins mit ihr zu sein: Abends hört man den Wind über die Farm ziehen, während vereinzelt Regentropfen niederprasseln. Morgens wird man von Vogelstimmen begrüßt. Die Sonne ist noch von einem feinen Nebelschleier umhüllt, der sich sanft über die Farm legt.

Die Farm liegt direkt am Fuße des Vulkans Ilamatepec. Seine majestätische Silhouette prägt die Landschaft, während auf der Farm selbst mit Kaffeekirschen bedeckte Raised Beds das Bild bestimmen. Dazwischen wachsen unzählige bunte Blumen – fast wie ein natürlicher Filter, der die Szenerie noch lebendiger macht.

Farm San Antonio

San Antonio ist ein Ort der Ruhe, ein Ort zum Innehalten.

Bis um 7:00 Uhr morgens die Arbeit beginnt.

Dann werden die Planen der Raised Beds entfernt, welche die Kaffeekirschen über Nacht vor Feuchtigkeit schützen. Die Ernte vom Vortag wird zum Trocknen vorbereitet, während sich die Pflücker*innen auf den Weg zu den Kaffeebäumen machen.

Raised Beds

Nach einem Tag selektiven Pflückens unter praller Sonne kann ich sagen: Mein Halbmarathon hat sich entspannter angefühlt. Am Ende des Tages hatte ich 41 kg Kaffeekirschen gesammelt – etwa 3,5 „Canastos“. Ein Canasto ist ein runder Erntekorb, der beim Pflücken um den Bauch getragen wird und etwa 12 kg fasst. Für diese Menge habe ich rund zwei Stunden gebraucht.

Denn: Rot ist nicht gleich rot. Gepflückt werden nur die perfekt reifen, bordeauxroten Kirschen – selektiv und mit geschultem Blick. Die gegenseitigen „¡Vámonos!“-Motivationsrufe der Pflücker*innen haben dabei definitiv geholfen.

Farmmitarbeiterin beim Pflücken

Wer einmal selbst erlebt hat, was für eine unglaubliche Arbeit Marie, Yolanda, Fernando, Mario und viele andere leisten, blickt mit noch größerem Respekt auf jede einzelne Ernte.

Im Anschluss werden die Kaffeekirschen auf der Farm San Antonio entweder als Naturals oder Honeys verarbeitet. Bei Honeys wird das Fruchtfleisch mithilfe eines Eco-Pulpers entfernt, während Naturals als ganze Kirsche trocknen.

Honey auf Raised Beds

Auf der Farm packen alle mit an:

Natalia und Marlene verteilen die Kaffees gleichmäßig auf den Raised Beds und wenden sie über den Tag hinweg regelmäßig, um eine gleichmäßige Trocknung sicherzustellen. Je nach Wetter und Lot dauert dieser Prozess etwa 20 bis 25 Tage. Der Pacamara von La Dalia beispielsweise trocknet rund 24 Tage, bis eine ideale Restfeuchtigkeit von etwa 10,5 bis 11 % erreicht ist.

Hier kommt Quality Manager Antonio ins Spiel: Er überwacht die Feuchtigkeitswerte während des gesamten Trocknungsprozesses, koordiniert die logistische Planung auf begrenztem Raum und entscheidet, welche Kaffees als Natural oder Honey verarbeitet werden. Bryan und Andaire unterstützen überall dort, wo Hilfe gebraucht wird – beim Entpulpen, Reinigen der Maschinen, Tragen der Kaffeesäcke, beim Trocknen und im Lager.

José und sein Vater Carlos führen unter „Cuyanauzul Farms“ insgesamt vier Farmen – El Mercurio, Santa Teresa, La Dalia und San Antonio – und koordinieren sie mit viel Herzblut. Da sich die Wet Mill und die Raised Beds auf San Antonio befinden, werden alle Kaffeekirschen dorthin gebracht und als Day-Lots verarbeitet.

Carlos und Daniel


Carlos lädt mich zu sich nach Hause in Ahuachapán ein. Schnell wird spürbar, wie stark er in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt ist – ein echter „Local Hero“, denke ich mir. Denn Carlos ist nicht nur Kaffeeproduzent, sondern auch Kinderarzt.

Morgens arbeitet er im lokalen Krankenhaus, nachmittags empfängt er Patient*innen in seiner eigenen Hauspraxis, die sich tatsächlich direkt in seinem Zuhause befindet. Nebenan betreibt seine Frau Sandra eine kleine Kantine.

Sobald die Sprechzeiten vorbei sind, geht Carlos die Straßenhunde füttern und widmet sich der Kaffeefarm El Mercurio, auf der er auch übernachtet, bevor am Morgen wieder
die Arbeit im Krankenhaus ruft.

Carlos auf der Farm

Bei einem Spaziergang über die Farm El Mercurio spüre ich Carlos tiefe Verbundenheit zu den Kaffeebäumen. Denn sie sind auch Familiengeschichte. Wir sprechen über Farmgeschichte, Agronomie und über harte, aber erfüllende Arbeit im Kaffeeanbau – eine Arbeit, die immer weniger Menschen übernehmen wollen. Umso wichtiger sei es, Anreize zu schaffen, erzählt mir Carlos. Deshalb zahlen sie ihren Mitarbeiter:innen im Zwei-Wochen-Rhythmus deutlich über dem landwirtschaftlichen Mindestlohn und zusätzlich ein „Aguinaldo“, ein 13. Gehalt als Weihnachtsbonus. Da 2025 ein gutes Erntejahr war, bleibt zudem noch Spielraum, um beispielsweise den Farmmanager:innen Solarpaneele auf die Dächer zu installieren.

Kraft für all das findet Carlos in seinem christlichen Glauben. Und während wir auf der Terrasse der Farm El Mercurio sitzen und über das Tal blicken, denke ich mir einmal mehr, was für besondere Partner wir haben.

Blick über die Farm
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